Kontrolleure rauben Fahrgäste aus

Man sitzt in der Bahn oder auch im Bus, denkt an nichts schlimmes und plötzlich steigen an allen Türen gleichzeitig grimmig schauende stämmige Persönlichkeiten zu und blockieren den Ausgang.
Dies ist der Beginn eines staatlich gedeckten Raubzuges gegen deren eigenen Kunden.
Wer keinen Fahrschein bzw. Fahrausweis vorzeigen kann hat ein gewichtiges Problem an seiner Seite stehen, welches sich in kürzester Zeit vervielfacht. Soll heißen: der Kontrolleur hat nun Angst um sein Leben und ruft Kollegen zur Unterstützung, um den Delinquenten besser in die Mangel nehmen zu können. Es werden nun Personalien des Opfers aufgeschrieben und um 60 Euro erpresst. Anschließend muss der gepeinigte das Fahrzeug verlassen und die Räuberbande sucht sich ihr nächstes Opfer.

Jährlich soll den deutschen Verkehrsbetrieben ein Schaden von rund 250 Mio. Euro entstehen, so laut Wikipedia, diversen Zeitungen und Online-Medien. Dieser „Schaden“ umfasst im Schnitt 3,5% des Umsatzes der Verkehrsbetriebe.
2012 gab es eine Preiserhöhung der Fahrpreise von im Schnitt 3,5%. 2013 gibt es erneut eine Preiserhöhung. Und nicht zuvergessen, die jährlichen Preiserhöhungen in den Jahren davor und welche noch alle folgen werden.
Ganz nebenbei: 7 Cent führen zu gewaltsamen Protesten

Der Begriff „Schaden“ ist hier auch nicht wirklich klar. Denn die Busse und Bahnen wären ja ohnehin gefahren. Es Ist nicht extra ein Fahrzeug aus dem Depot gefahren um diesen einen nicht zahlenden Fahrgast von A nach B zu bringen. Sondern die Fahrzeuge sind ohnehin unterwegs. Es ist bislang auch kein Fall bekannt, wonach wegen einem nicht zahlenden Fahrgast ein zahlender Fahrgast ausgestiegen wäre.

Von einem „Schaden“ kann hier also nicht die Rede sein. Weder von der Benutzung (da das Fahrzeug ohnehin unterwegs ist), noch von den Mindereinnahmen (da man sich diese über die Fahrpreiserhöhung des kommen Jahres wieder reinholt).

2010 gab es lediglich 227.000 Anzeigen deswegen. 227.000 * 60 = 13.620.000 Euro. Abzüglich Gerichtskosten, Kontrolleurgehälter, Postwege, Verwaltungskosten innerhalb der Verkehrsbetriebe. Da bleibt am Ende nicht viel übrig, wenn überhaupt.

Die ganze Kontrolleur-Aktion ist für die Verkehrbetriebe nicht wirklich lohnend, zumal es ja auch entsprechenden Unmut gegenüber des Unternehmens erzeugt. Allerdings schädigt es jeden betroffenen Fahrgast erheblich.

Rechte eines Kontrolleurs:
– er darf den Fahrausweis/-Schein in Augenschein nehmen.
– er darf den Fahrgast am Weglaufen hintern. Dies allerdings nur, solang sich der Fahrgast im Fahrzeug befindet.
Denn die „Macht“ der Kontrolleure erstreckt sich nur auf die Einrichtungen des Verkehrsbetriebes und nicht auf Kontrollen auf der Straße.
Personalien darf nur die Polizei aufnehmen, nicht die Kontrolleure. Die Kontrolleure müssten dann die Polizei rufen und es wird recht zeitaufwendig, von daher muss jeder abwegen wieviel er bereit ist von seinen Rechten aufzugeben.

Pflichten eines Kontrolleur:
– er muss sich klar erkennbar vor in Augenscheinnahme des Fahrausweisen als Mitarbeiter des Verkehrsbetriebes zu erkennen geben.
– er muss auf Verlangen des Fahrgastes sich ausweisen können, ihnen die Wagennummer nennen und seine Personalnummer bzw. Erkennungsmerkmal innerhalb des Verkehrsbetriebs nennen (damit Beschwerden möglich wären)

Rechte des Fahrgastes:
– er muss dem Kontrolleur seine Personalien nicht geben, sondern nur der Polizei (siehe oben)
– er kann jederzeit die Personalien vom Kontrolleur einfordern
– er kann sich Zeugen hinzurufen bzw. Fahrgäste bitten als Zeugen zu fungieren (wenn dies notwendig wäre)
– er muss die Fahrt nicht beenden, wenn er beim schwarz fahren erwischt wird
Denn die Bestimmungen für das erhöhte Entgeld sagen nur, dass er eben statt 1,40 Euro jetzt 60 Euro zahlen soll. Es ist nirgendwo geschrieben, dass der Fahrgast beim Erwischen das Fahrzeug verlassen müsse.
Die Kontrolleure versuchen ihn dann schnell aus dem Fahrzeug zu bekommen, aber dem kann man ja entgegen wirken: „Ich muss aber erst dort aussteugen !“

Pflichten des Fahrgastes:
– sobald ihm eindeutig bekannt ist, dass ein (echter) Kontrolleur die Fahrausweise kontrollieren möchte, muss der Fahrgast diesen vorzeigen. Mehr nicht.

Je nach AGB des Verkehrbetriebes, darf meist nur der Fahrer des Fahrzeuges Personen die Weiter und/oder Mitfahrt im Fahrzeug untersagen. Nur selten darf das auch der Kontrolleur. Hier müsst ihr aber mal die jeweiligen AGBs lesen.

Ich gönne mir immer den Spaß und fordere den Kontrolleur (selbst wenn in Firmen-Dresscode) vor meiner Ausweiskontrolle auf, mir seinen Ausweis zu erst zu zeigen. Schließlich will ich sichergehen, dass es ein echter Kontrolleur ist und kein Privatmann, der sich etwas dazuverdienen will.

Gute Fahrt euch noch.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s